Contracting für die Erschließung von Abwärmepotenzialen

Technische und finanzielle Herausforderungen eines Abwärmenutzungsprojektes können durch die Einbeziehung eines Contracting-Partners aus dem Unternahmen ausgelagert werden. Insbesondere beim Thema Abwärme bietet sich eine hohe Bandbreite möglicher Partnerschaften.

Den Ersparnissen durch erfolgreich umgesetzte Maßnahmen zur Abwärmevermeidung und –nutzung stehen Investitionsentscheidungen zu Beginn eines Abwärmenutzungsprojektes gegenüber. Übertreffen die Einsparungen im Laufe der Betriebszeit die Investitionsaufwendungen, so sind die getätigten  Investition wirtschaftlich. Das ist regelmäßig der Fall, wenn Abwärmenutzungsmaßnahmen bei hohen Abwärmetemperaturen und Energiekosten umgesetzt werden oder bei notwendigen Prozesseingriffen wie Modernisierung oder Erweiterung von Anlagen. Eine Möglichkeit die technischen Herausforderungen zu senken und Investitionsrisiken klein zu halten ist die Planung und Umsetzung des Abwärme-Projektes über ein Contracting-Modell.

Einbindung von Dienstleistern

Kann oder möchte ein Unternehmen  eine sinnvolle Investition zur Abwärmenutzung nicht selbst finanzieren, bietet sich die Einbindung eines speziellen (Energie-)Dienstleisters an. In den letzten Jahren hat sich ein breites Spektrum an sogenannten Contractoren am Markt etabliert, die sich in ihren Angeboten und Schwerpunkten unterscheiden. Typische Anbieter sind regionale oder überregionale Energieversorger, Anlagenhersteller oder auf Energiedienstleistungen spezialisierte Unternehmen. 

Neben der Finanzierung können diese Unternehmen auch ihr Know-How und ihre Erfahrung anderer Projekte einbringen und bieten in der Regel neben der Finanzierung auch die Planung, Errichtung, Projektierung, eine Betriebsführung der Anlagen und die Instandhaltung an. Neben der finanziellen Entlastung der wirtschaftlichen Bilanzen ergeben sich damit weitere Vorteile für das Unternehmen: wirtschaftliche Risiken werden vermieden und das eigene Personal wird entlastet.

Variables Aufgabenspektrum

Dabei können sowohl einzelne Aufgaben als auch das gesamte Aufgabenspektrum übertragen werden. Die konkreten vertraglichen Regelungen werden oft zwischen Unternehmen und Dienstleister individuell ausgehandelt. Übliche Vertragsdauern betragen bis zu 15 Jahre, in diesem Zeitraum müssen sich die Investition und Aufwendungen für den Dienstleister refinanzieren. Geht die Anlage anschließend in das Eigentum des Unternehmens über, kann diese in Eigenregie weiterbetrieben werden.

Verschiedene Contracting-Formen

Je nachdem, welche Maßnahmen umgesetzt und finanziert werden sollen und ob die Versorgung mit Medien oder die Energieeinsparung im Mittelpunkt des Projektes steht, wird zwischen einem Anlagen-Contracting (oder auch Energieliefer-Contracting) und einem  Einspar-Contracting (oder auch Performance-Contracting) unterschieden. Dabei können die Übergänge auch fließend sein.

Die mit Abstand am weitesten verbreitete Contractingform ist das Anlagen-Contracting. Im Unterschied zu reinen Finanzierungsangeboten wie Ratenzahlungen oder Leasing wird bei Contracting-Projekten meistens über die Lieferung von Medien bzw. Endenergie (Strom, Wärme oder Dampf) abgerechnet. In einem Energieliefervertrag zwischen Contractinggeber und –nehmer werden dazu Arbeitspreise sowie Leistungspreise und Grundgebühren festgelegt.

Geeignete Technologien für ein Contracting

Contractoren errichten und betreiben Energiezentralen und Versorgungsanlagen mit dem Ziel einer (End-)energielieferung (Wärme, Dampf, Kälte, Druckluft,...). Bei komplexeren technischen Anforderungen wie Dampf- und Kälteerzeugung werden meist spezialisierte Fachplaner eingebunden. Anlagen-Contractoren befassen sich in der Regel nicht mit den betrieblichen Prozessen und Einsparpotenzialen im Bereich der End- und Nutzenergien. Anlagen zur Abwärmeverstromung (ORC-Systeme, Dampfturbinen, Dampfmotoren) werden auch häufig im Rahmen eines Anlagencontractings finanziert.

Einspar-Contracting

Maßnahmen zur Energieeinsparung wie Abwärmevermeidung sowie Effizienzsteigerungen innerhalb von Produktionsprozessen können grundsätzlich über ein Einspar-Contracting finanziert werden. Hier werden die verringerten Energiekosten genutzt, um die Investitionen zu refinanzieren. Hierbei können auch nicht- und geringinvestive Maßnahmen wie eine optimierte Betriebsführung einbezogen werden.  

Teilweise werden auch Beratungen und weitere Dienstleistungen angeboten, die über erfolgreiche Kosteneinsparungen finanziert werden. Auch müssen die Betriebsführung der Anlagen und die Zugriffrechte hinreichend geregelt werden.

Einspar-Contracting in der Industrie beschränkt sich häufig auf Maßnahmen der Peripherie (Gebäudehülle, Heizung, Warmwasserbereitung).

Praxistipp

Ggf. müssen für eine belastbare Angebotserstellung zunächst umfassendere Analysen und Datenerfassungen durchgeführt werden. In solchen Fällen kann es erforderlich sein, dass sich das Unternehmen an den Aufwendungen beteiligt. Im Falle einer anschließenden Realisierung können diese Kosten dann angerechnet werden. 

Die dena unterstützt Unternehmen bei der Vermittlung kompetenter Partner und Energiedienstleister.


Förderhinweis

Im Rahmen des Förderprogramms „Förderung hocheffizienter Querschnittstechnologien“ können Maßnahmen zur Abwärmenutzung im Rahmen eines Contractings gefördert werden. Die Antragsstellung erfolgt über das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA). Anträge können ebenfalls bei der KfW (KfW-Energieeffizienzprogramm Abwärme gestellt werden.

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